Ein Kinderbuch darf langsam sein
Von Mik Hedrich · 17. Oktober 2026

Ich frage mich manchmal, welche Bilder und Geschichten wir kleinen Kindern eigentlich zumuten – oder besser gesagt: mitgeben wollen.
Alles blinkt, bewegt sich, macht Geräusche. Noch ein Video. Noch ein Wischen. Noch ein Reiz. Das iPad ist da, und es wird auch nicht mehr verschwinden. Darum geht es mir gar nicht.
Aber muss ein Bilderbuch da wirklich mithalten?
Ich finde: Nein.
Ein Kinderbuch darf langsam sein. Es darf leise sein. Es darf Eselsohren bekommen, Flecken haben und zum zwanzigsten Mal dieselbe Geschichte erzählen.
Denn beim Vorlesen passiert etwas, das sich nicht herunterladen lässt: Ein Kind rückt näher. Es zeigt auf ein Bild. Fragt plötzlich etwas, womit man nicht gerechnet hat. Man lacht zusammen – oder redet über Angst, Mut, Freundschaft und darüber, was richtig oder falsch ist.
Vielleicht erinnert sich das Kind später nicht mehr an jedes Wort. Aber hoffentlich an das Gefühl: Da war jemand. Da war Zeit für mich.
Genau solche Bücher möchte ich machen. Nicht perfekt, nicht pädagogisch glattgebügelt und nicht möglichst schrill. Sondern echte Bücher mit Herz, Fantasie und Werten. Bücher, die Eltern und Kinder gemeinsam entdecken.
Was meint ihr: Welche Geschichten brauchen kleine Kinder heute wirklich – gerade weil ihre Welt immer digitaler wird?
